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Liegt es an der frischen Luft, der rauen Natur oder am für deutsche Flatrate-Kinder teuren Alkohol, dass Skandinavier so verdammt kreativ sind? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Nur eins ist sicher: was mir – dem Rolling Stone sei Dank – seit einiger Zeit in den Ohrmuscheln flufft, wird lange Zeit an besagtem Ort verweilen. Myspace beschreibt es mit Pop/Lounge/Showtunes (what the …?) oder „Classoul“, hört sich aber eher wie ein sich selbständig machender, knallbunt gefüllter Bonbonspender an. Im Minutentakt spuckt die neunköpfige isländische Band Hjaltalín warme, erdige Klangfarben aus, die sofort ihre Süße entfalten ohne Karies zu verursachen oder den faden Geschmack von Süßstoff anzunehmen. Der mal poppig, folkig, mal rockige Gesang von Sigga und Högni – der ein wenig an Adam Levine erinnert – schwingt mit wundersamer Leichtigkeit zwischen (überwiegend) Sommernachts-Freudengesängen – „Traffic Music“ und dem fast nur aus Refrain bestehende „Debussy“ – und dunstiger Melancholie – „I lie“. Wer dann noch die Hörerschaft so überzeugend an ein Fagott gewöhnt, der hat sich die Empfehlung mehr als verdient. Scheißcool und alles andere als schlaftrunken, diese Nordlichter.
Weshalb Zach Braff, besser bekannt als Dr. „J.D.“ Dorian aus der Serie „Scrubs“, breit zu grinsen beginnt, wenn er Populous with Short Stories „Drawn in Basic“ hört? Vielleicht, weil er das Duo aus italienischem Electropop-Produzenten – Andrea Mangia – und amerikanischem Singer/Songwriter – Michael McGuire – ohne weiteres auf den „Garden State“ OST hätte packen können. Weil das Album nach Zero 7 oder Frou Frou plus X klingt. Mit lethargisch-melancholisch gehauchten Gesangbeiträgen von „Short Stories“ McGuire und dezent unaufdringlichen Synthie-Flächen, die zu eingängigen Melodien heranwachsen. Treibende, linear und simpel gehaltene Beatstrukturen, die, wie das „Basic“ im Titel schon andeutet, in ihrer Monotonie nie überfordern, trotzdem McGuires Stimme, als angenehmer Tupfer Dissonanz, dagegenhält. Nein, kein Zweifel: „Drawn in Basic“ hat Film-Potential, was sicherlich auch auf den durchweg homogenen, aber nie eintönigen Sound zurückzuführen ist. Das zittrig-flippernde „Younger“ – um nur ein Beispiel zu nennen – ist der Opener meines persönlichen Soundtracks. Musik, die nicht den Anspruch hat vom Hocker zu reißen und trotzdem, ohne dass man es sich so richtig erklären kann, begeistert und die Seele rühren kann. Jemand auf den zwei Daumen zeigen und der das hier gut findet: Ich.

Wenn man wie Thes One und Double K bereits fünf grundsolide Alben auf den Markt geworfen hat und in der Szene eine beachtliche Reputation genießt, dann darf man ruhig mal feiern. „Having fun and not caring about anything“, fasst Double K zusammen. „Fun DMC“ soll uns das Gefühl eines Samstags im Leben der beiden Rapper/Producer vermitteln. Aber mal im Ernst, wer will schon jeden Samstag ähnlich erleben. Versteht mich nicht falsch, ich mag diesen B-Boy slash L.A. slash Barbecue Sound. „San Francisco Knights“ – vom 98er Debut „The Next Step“– oder „Acid Raindrops” – aus „O.S.T.“ – hör ich heute noch gern. Trotzdem vermiss ich die Abwechslung, einen Anflug von Avantgarde oder Rebellion, obwohl das hier ein gutes Album ist. Nur bietet es eben keine Überraschungen. Man könnte „Fun DMC“ durchaus mit Commons „Be“ vergleichen. Tat niemand weh, konnte man gut durchhören und zeigte verdammt viel Melodieverständnis. Fleißpunkte für Kreativanflüge gab‘s aber nicht. „Fun DMC“ vertritt wieder einen gewollt dreckig-angestaubten Sound, angereichert mit eingehenden Melodien und dem Old School Flow der beiden Protagonisten. Wer das mag, ist hier bestens bedient. Allen anderen sei Thes Ones Solo-Instrumentalprojekt „Lifestyle Marketing“ ans Herz gelegt.
