Montag, 10. November 2008

Populous with Short Stories – Drawn in Basic

Weshalb Zach Braff, besser bekannt als Dr. „J.D.“ Dorian aus der Serie „Scrubs“, breit zu grinsen beginnt, wenn er Populous with Short Stories „Drawn in Basic“ hört? Vielleicht, weil er das Duo aus italienischem Electropop-Produzenten – Andrea Mangia – und amerikanischem Singer/Songwriter ­– Michael McGuire – ohne weiteres auf den „Garden State“ OST hätte packen können. Weil das Album nach Zero 7 oder Frou Frou plus X klingt. Mit lethargisch-melancholisch gehauchten Gesangbeiträgen von „Short Stories“ McGuire und dezent unaufdringlichen Synthie-Flächen, die zu eingängigen Melodien heranwachsen. Treibende, linear und simpel gehaltene Beatstrukturen, die, wie das „Basic“ im Titel schon andeutet, in ihrer Monotonie nie überfordern, trotzdem McGuires Stimme, als angenehmer Tupfer Dissonanz, dagegenhält. Nein, kein Zweifel: „Drawn in Basic“ hat Film-Potential, was sicherlich auch auf den durchweg homogenen, aber nie eintönigen Sound zurückzuführen ist. Das zittrig-flippernde „Younger“ – um nur ein Beispiel zu nennen – ist der Opener meines persönlichen Soundtracks.

Musik, die nicht den Anspruch hat vom Hocker zu reißen und trotzdem, ohne dass man es sich so richtig erklären kann, begeistert und die Seele rühren kann. Jemand auf den zwei Daumen zeigen und der das hier gut findet: Ich.




Sonntag, 9. November 2008

People Under The Stairs – Fun DMC



Wenn man wie Thes One und Double K bereits fünf grundsolide Alben auf den Markt geworfen hat und in der Szene eine beachtliche Reputation genießt, dann darf man ruhig mal feiern. „Having fun and not caring about anything“, fasst Double K zusammen. „Fun DMC“ soll uns das Gefühl eines Samstags im Leben der beiden Rapper/Producer vermitteln. Aber mal im Ernst, wer will schon jeden Samstag ähnlich erleben. Versteht mich nicht falsch, ich mag diesen B-Boy slash L.A. slash Barbecue Sound. „San Francisco Knights“ – vom 98er Debut „The Next Step“– oder „Acid Raindrops” – aus „O.S.T.“ – hör ich heute noch gern. Trotzdem vermiss ich die Abwechslung, einen Anflug von Avantgarde oder Rebellion, obwohl das hier ein gutes Album ist. Nur bietet es eben keine Überraschungen. Man könnte „Fun DMC“ durchaus mit Commons „Be“ vergleichen. Tat niemand weh, konnte man gut durchhören und zeigte verdammt viel Melodieverständnis. Fleißpunkte für Kreativanflüge gab‘s aber nicht. „Fun DMC“ vertritt wieder einen gewollt dreckig-angestaubten Sound, angereichert mit eingehenden Melodien und dem Old School Flow der beiden Protagonisten. Wer das mag, ist hier bestens bedient. Allen anderen sei Thes Ones Solo-Instrumentalprojekt „Lifestyle Marketing“ ans Herz gelegt.

Sonntag, 26. Oktober 2008

The Matthew Herbert Big Band_There's Me and there's You


Wer dem politisch engagierten Matthew Herbert und Konsorten unterstellt Schwarz-Weiß-Malerei zu betreiben, indem sie die Welt dogmatisch in zweierlei Typen Mensch unterteilen – auf der einen Seite, die, die immer noch daran glauben, dass Musik eine politische Macht ist und auf der anderen Seite, die, die sich dem Konsum verschrieben haben –, der tut ihnen unrecht. Zwar will sich die 18 köpfige Band mittels einer musikalischen Petition gegen besagte „over-consumption“ aussprechen. Doch auch ihnen ist bewusst, dass es ohne ein gewisses Konsumverhalten keine Veröffentlichung auf !K7 geben könnte. Und das wär verdammt schade, da TMHBB die rare Jazz Ästhetik eines Otis Jackson Jr., elektronischem Stückwerk à la Prefuse und dilla’esques Kastagnettengeklapper mit ordentlich Swing verknüpft. Eine Kombination aus beruhigend-sphärischem Big Band Sound, feindlichen Alltagsgeräuschen und sozialkritischen, erschreckend treffenden Texten. Kein Rädchen greift im perfekten, aber keineswegs sterilen Zusammenspiel der anspruchsvollen Arrangements fehl. Frontfrau und Vokalistin Eska Mtungwazi schmettert ihr Organ so eindrucksvoll wie Shirley Bassey in ihrem größten Erfolg „Goldfinger“. Dazu das bedrohlich auf einen Mord gierende „Waiting“, das sich wunderbar zum Imperativ entwickelnde „Breathe“ und das schleppend reduzierte „Nonsounds“. Ein eindeutiges Ja – „Yessness“ – und eine Erinnerung daran, dass wir nur dieses eine Leben – „One Life“ – haben. Nutze den Tag.

Mittwoch, 27. August 2008

The Dark Knight - Eine Bilanz


Ob er meine Erwartungen erfüllt hat? Sicherlich. Auch wenn TDK nicht mit Heat, so meine Schlussfolgerung, vergleichbar ist. Was den Zuschauer hier erwartet, ist mehr als gute Unterhaltung. Viel hatte man über die Leistung des verstorbenen Heath Ledger gesprochen. Ohne Hype und Superlative ist anzumerken, dass TDK wohl Ledgers schauspielerisch überzeugendste, da impulsivste, mitreißendeste und psychedelischste Rolle ist. Er trägt den Film, ohne Zweifel. Trotzdem: die in den Hintergrund rückende Leistung des Fledermausmanns ist nicht nur dem bedauerlichen Todesfall geschuldet. Sie bietet perfekt den Raum essentielle Super-Schurken - Joker & 2Face - zu etablieren und die tiefgehende psychologische Charakter isierung von Bruce Wayne zu unterstreichen. Die krasse Line up an Schauspieler-Erfahrung und Talent tut ihr Übriges. TDK ist mit 152 Minuten Laufzeit noch länger geraten als "Batman Begins", wird aber keine Sekunde langweilig. Ein ungewöhnliches Phänomen, das sich in der heutigen Kinolandschaft nur sehr selten finden lässt. Prädikat: äußerst empfehlenswert!
Unbedingt im Originalton und ohne Pause anschauen.

Freitag, 8. August 2008

Beck / Modern Guilt





Um etwaiger Geschäftsmüdigkeit einer vierzehnjährigen Karriere im Business vorwegzugreifen, erfindet Beck sich und seinen Sound immer wieder neu. Von Folk und Blues, bis zu Elektro-Abfahrten und Hip Hop-Hymnen, Beck hatte es im Repertoire. Und jetzt? Jetzt holt er sich statt Haus- und Hofproduzenten Nigel Godrich Danger Mouse mit ins Boot. Ein zweites Gnarls Barkley? Nein. Jedenfalls nicht ganz. Sicherlich, Parallelen zum rotzigen, verfilzten und hippiesquen Surf-Rock der Cee-Lo Green-Kollabo – in puncto Rhythmik und Sound – sind nicht zu leugnen, „Modern Guilt“ klingt dabei jedoch wesentlich weniger nach Samples als „The Odd Couple“. Alles wirkt symbiotisch, stimmlich so sphärisch und flächig wie Koushik ohne Hall-Helfer. Anzeckende Gitarren auf „Youthless“ und „Gamma Ray“, die in ihrer Breite der Sportbereifung eines Veyron Konkurrenz machen. Fein durch den Verzerrer gejagt, ohne sich im technischen Wirrwarr zu verzetteln. Das asiatisch angehauchte „Walls“ und das Blues stampfende „Volcano“ stolpern vor sich hin, erklimmen den Krater, absorbieren die Hitze und leiten sie an den Hörer wie „The Human Torch“ weiter.

Ein klanglich dichtes, homogenes und verdammt gelungenes Stück Musik. Wird lange durch meine Kopfhörer schallen, auch wenn sich die 9 Songs auf „Modern Guilt“ nur knapp 34 Minuten bequemen.

Samstag, 2. August 2008


...magnum force ep coming soon.

Montag, 21. Juli 2008

soundbits_die erste

Frubidu_hit'em:
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Koushik / Out my window

Koushik Gosh blickt aus dem Fenster. Was er sieht? Pop. Eine riesige Seifenblase aus Belanglosigkeit, Massengeschmack und seelenloser Gleichgültigkeit. Frustriert wendet er sich seiner Sixties Plattensammlung zu, beginnt zu schneiden, neu zu arrangieren und zu zitieren. Da aber reines Zitieren auf Dauer ermüdend, eintönig und wenig inspiriert wirkt, wird kurzerhand Kollege Breakbeat eingeladen. Zu gleichen Teilen mit Koushiks Gesangskünsten auf den smooth gehaltenen Produktionen, eine unschlagbare und exotische Mischung. Wie die Stones Throw Labelkollegen Dilla, Madlib oder Oh No verknüpft auch Koushik Samples auf magische Weise zu eigenständigen Klangbildern. Nur eben ohne Raps und die Hip Hop typische Drumlastigkeit. Spacig-hallende Vocalflächen überlagern die längeren der 16 Stücke auf „Out my window“ und werden von madlibesquen Kurzloops – vergleiche den sich in Trance singenden „Buttaflybeat“ – zusammengeleimt. Kohärent, wie in Blei gegossen, luftig-leicht wie Spongebob-Luftballons auf der Kirmes. Der hymnenhaft-orchestrale Titeltrack apostrophiert den Ausnahmestatus des Kanadiers indischer Abstammung. Wie Vadims letzte LP „The Sound Catcher“: „Out my window“ wächst und wächst bei jedem Hören.



Mittwoch, 16. Juli 2008

The incredible Hulk / Der verstümmelte Hulk

Alles hätte so schön sein können. Ed Norton als grüner Übersoldat – und mit wesentlich mehr Talent als Eric Bana – rettet tausende Unschuldiger und den General vor dessen eigenen Größenwahn. Doch Universal, oder wem auch immer dieses Desaster anzulasten ist, hatte etwas dagegen. Wovon ich spreche? In einem Verstümmelungsakt wurden große Teile des Endkampfes zwischen Hulk und Abomination einfach entfernt. Grund dafür ist, wie immer, das Geld, also eine Altersfreigabe ab 12 Jahren, die merklich mehr Ticketverkäufe erwarten lässt. Ergebnis dieser Verstümmlung ist, dass am Ende ein roter Faden völlig verloren geht und deutliche logische Lücken entstehen. Beispiel gefällig? Hulk zerlegt ein Auto in zwei Hälften und bastelt sich zwei Boxhandschuhe daraus um Abomination, im Stile Rockys, auf die Mütze zu hauen. Doch bevor die stählernen Handschuhe zum Einsatz kommen, Cut, und der fratzenhafte Widersacher liegt, deutlich gezeichnet, am Boden. Kein Schlag, kein Treffer, kein echter Kampf. Eine Tatsache die einen bis dahin wirklich guten Film zerstört. Seien wir einmal ehrlich. Der langerwartete Endkampf war für jeden Fan DAS Argument sich im Kino einzufinden. Ist dieser kaum mehr als solcher zu erkennen, gibt es keinen Grund sich den Film anzuschauen. Da tröstet auch die in wenigen deutschen Kinos zu sehende FSK 16 Kopie nicht.

Sonntag, 13. Juli 2008

RZA / Digi Snacks

Stark nach Ego-Trip roch das letzte, an den hohen Erwartungen und der kaum merklichen Präsenz von Ghost scheiternde, Wu-Album „8 Diagrams“. Das lag, glaubt man Reakwon, größtenteils an einem gewissen Robert Diggs, dessen Anspruchsdenken und musikalische Vision sich dem restlichen Clan kaum noch erschlossen und weite Teile der Hardcore-Fans vor den Kopf stieß. Logische Konsequenz hieraus: der RZA macht wieder auf solo. Der Titel „Digi Snacks“ lässt den LoFi-Charakter der 1998 erstmalig vollzogenen Verwandlung zu Bobby Digital bereits erahnen. Und tatsächlich, konzeptuell ändert sich auf „Digi Snacks“ wenig, sieht man von der fehlenden düsteren Note ab. Auf Minimalismus getrimmte, bis zur Eintönigkeit reichende Spätneunziger Beatarrangements, die eindeutig zu viel Retro inhaliert haben. Natürlich gibt es Ausnahmen: das kindlich verspielte „Up Again“ oder das schnörkellos gezupfte „Bobby Trap“ – der Vergleich zwischen Digi- und Scooby-Snacks drängt sich einfach auf. Auch „Drama” versprüht aufgrund seiner Simplizität und dem Refrain von Thea van Seijen ebenso gewissen Charme, wie der Stolper-Loop „Money don’t own me“. Ganz zu schweigen von der Funk-Gitarre auf „You can’t stop me now“ – basiert übrigens auf „Message from a Black Man“ von den Temptations. Unsäglich dagegen der Stakkato-Snaregewitter-Ausflug à la Rick Ross/Freeway mit Jigga-Sample auf „Straight up the Block“. Noch zu erwähnen wären die bekannt bescheidenen Off-Beat Reimkünste und das dünne Stimmvolumen vom RZA. Mager für 15 Tracks plus Intro, aber Fans werden trotzdem die Bobby Digital-Masken aus dem Schuhkarton kramen.

Samstag, 5. Juli 2008

Al Green / Lay it down



Lebende Legende! Keine Alliteration trifft den Status von Al Green, den in die Jahre gekommen Superstar des Soul & R’n’B, besser. Sympathisch und selbstsicher lacht er uns von seinem aktuellen Cover entgegen. Kein Wunder, ist ihm, wie auch der geneigten Kritikerschaft – Rolling Stone, Entertainment Weekly etc. –, doch bewusst, dass ihm, nach eigenproduzierten Gospelplatten die kaum Resonanz bei der Hörschaft fanden, endlich mal wieder ein richtig großer Wurf gelungen ist. Mitverantwortlich dafür: Ahmir „?uestlove“ Thompson, Mastermind und Drumpate der Legendary Roots Crew, der sich für die komplette Produktion verantwortlich zeigt. Schnell war deshalb klar: hier wird es keine aufgedrückte Neo-Soul Bastardisierung geben. 70er Soul, der hier und da etwas Blues-Melancholie abschöpft, aber nie das große Thema aus den Augen verliert: L-O-V-E und die werte Damenwelt. „Lay it down“ erscheint auf Blue Note, was wieder ruhigen Gewissens zu einem Qualitätsmerkmal erhoben werden darf. Die herrlich verrauchte Intonation eines Anthony Hamilton – „You got the Love I need“ –, Corinne Bailey Rae – „Take your Time“ – und John Legend – „Stay with me“ – unterstützen Green und machen ihre Sache gewohnt gut. Erinnerungen an „How can you mend a broken heart“ oder “Let’s stay together” kommen unwillkürlich auf. What more can I say!? Lassen wir den Altmeister im Refrain des hit- und ohrwurmverdächtigen Titeltracks selbst ran: „Lay it down, let it go, fall in love.“