Montag, 21. Juli 2008

soundbits_die erste

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Koushik / Out my window

Koushik Gosh blickt aus dem Fenster. Was er sieht? Pop. Eine riesige Seifenblase aus Belanglosigkeit, Massengeschmack und seelenloser Gleichgültigkeit. Frustriert wendet er sich seiner Sixties Plattensammlung zu, beginnt zu schneiden, neu zu arrangieren und zu zitieren. Da aber reines Zitieren auf Dauer ermüdend, eintönig und wenig inspiriert wirkt, wird kurzerhand Kollege Breakbeat eingeladen. Zu gleichen Teilen mit Koushiks Gesangskünsten auf den smooth gehaltenen Produktionen, eine unschlagbare und exotische Mischung. Wie die Stones Throw Labelkollegen Dilla, Madlib oder Oh No verknüpft auch Koushik Samples auf magische Weise zu eigenständigen Klangbildern. Nur eben ohne Raps und die Hip Hop typische Drumlastigkeit. Spacig-hallende Vocalflächen überlagern die längeren der 16 Stücke auf „Out my window“ und werden von madlibesquen Kurzloops – vergleiche den sich in Trance singenden „Buttaflybeat“ – zusammengeleimt. Kohärent, wie in Blei gegossen, luftig-leicht wie Spongebob-Luftballons auf der Kirmes. Der hymnenhaft-orchestrale Titeltrack apostrophiert den Ausnahmestatus des Kanadiers indischer Abstammung. Wie Vadims letzte LP „The Sound Catcher“: „Out my window“ wächst und wächst bei jedem Hören.



Mittwoch, 16. Juli 2008

The incredible Hulk / Der verstümmelte Hulk

Alles hätte so schön sein können. Ed Norton als grüner Übersoldat – und mit wesentlich mehr Talent als Eric Bana – rettet tausende Unschuldiger und den General vor dessen eigenen Größenwahn. Doch Universal, oder wem auch immer dieses Desaster anzulasten ist, hatte etwas dagegen. Wovon ich spreche? In einem Verstümmelungsakt wurden große Teile des Endkampfes zwischen Hulk und Abomination einfach entfernt. Grund dafür ist, wie immer, das Geld, also eine Altersfreigabe ab 12 Jahren, die merklich mehr Ticketverkäufe erwarten lässt. Ergebnis dieser Verstümmlung ist, dass am Ende ein roter Faden völlig verloren geht und deutliche logische Lücken entstehen. Beispiel gefällig? Hulk zerlegt ein Auto in zwei Hälften und bastelt sich zwei Boxhandschuhe daraus um Abomination, im Stile Rockys, auf die Mütze zu hauen. Doch bevor die stählernen Handschuhe zum Einsatz kommen, Cut, und der fratzenhafte Widersacher liegt, deutlich gezeichnet, am Boden. Kein Schlag, kein Treffer, kein echter Kampf. Eine Tatsache die einen bis dahin wirklich guten Film zerstört. Seien wir einmal ehrlich. Der langerwartete Endkampf war für jeden Fan DAS Argument sich im Kino einzufinden. Ist dieser kaum mehr als solcher zu erkennen, gibt es keinen Grund sich den Film anzuschauen. Da tröstet auch die in wenigen deutschen Kinos zu sehende FSK 16 Kopie nicht.

Sonntag, 13. Juli 2008

RZA / Digi Snacks

Stark nach Ego-Trip roch das letzte, an den hohen Erwartungen und der kaum merklichen Präsenz von Ghost scheiternde, Wu-Album „8 Diagrams“. Das lag, glaubt man Reakwon, größtenteils an einem gewissen Robert Diggs, dessen Anspruchsdenken und musikalische Vision sich dem restlichen Clan kaum noch erschlossen und weite Teile der Hardcore-Fans vor den Kopf stieß. Logische Konsequenz hieraus: der RZA macht wieder auf solo. Der Titel „Digi Snacks“ lässt den LoFi-Charakter der 1998 erstmalig vollzogenen Verwandlung zu Bobby Digital bereits erahnen. Und tatsächlich, konzeptuell ändert sich auf „Digi Snacks“ wenig, sieht man von der fehlenden düsteren Note ab. Auf Minimalismus getrimmte, bis zur Eintönigkeit reichende Spätneunziger Beatarrangements, die eindeutig zu viel Retro inhaliert haben. Natürlich gibt es Ausnahmen: das kindlich verspielte „Up Again“ oder das schnörkellos gezupfte „Bobby Trap“ – der Vergleich zwischen Digi- und Scooby-Snacks drängt sich einfach auf. Auch „Drama” versprüht aufgrund seiner Simplizität und dem Refrain von Thea van Seijen ebenso gewissen Charme, wie der Stolper-Loop „Money don’t own me“. Ganz zu schweigen von der Funk-Gitarre auf „You can’t stop me now“ – basiert übrigens auf „Message from a Black Man“ von den Temptations. Unsäglich dagegen der Stakkato-Snaregewitter-Ausflug à la Rick Ross/Freeway mit Jigga-Sample auf „Straight up the Block“. Noch zu erwähnen wären die bekannt bescheidenen Off-Beat Reimkünste und das dünne Stimmvolumen vom RZA. Mager für 15 Tracks plus Intro, aber Fans werden trotzdem die Bobby Digital-Masken aus dem Schuhkarton kramen.

Samstag, 5. Juli 2008

Al Green / Lay it down



Lebende Legende! Keine Alliteration trifft den Status von Al Green, den in die Jahre gekommen Superstar des Soul & R’n’B, besser. Sympathisch und selbstsicher lacht er uns von seinem aktuellen Cover entgegen. Kein Wunder, ist ihm, wie auch der geneigten Kritikerschaft – Rolling Stone, Entertainment Weekly etc. –, doch bewusst, dass ihm, nach eigenproduzierten Gospelplatten die kaum Resonanz bei der Hörschaft fanden, endlich mal wieder ein richtig großer Wurf gelungen ist. Mitverantwortlich dafür: Ahmir „?uestlove“ Thompson, Mastermind und Drumpate der Legendary Roots Crew, der sich für die komplette Produktion verantwortlich zeigt. Schnell war deshalb klar: hier wird es keine aufgedrückte Neo-Soul Bastardisierung geben. 70er Soul, der hier und da etwas Blues-Melancholie abschöpft, aber nie das große Thema aus den Augen verliert: L-O-V-E und die werte Damenwelt. „Lay it down“ erscheint auf Blue Note, was wieder ruhigen Gewissens zu einem Qualitätsmerkmal erhoben werden darf. Die herrlich verrauchte Intonation eines Anthony Hamilton – „You got the Love I need“ –, Corinne Bailey Rae – „Take your Time“ – und John Legend – „Stay with me“ – unterstützen Green und machen ihre Sache gewohnt gut. Erinnerungen an „How can you mend a broken heart“ oder “Let’s stay together” kommen unwillkürlich auf. What more can I say!? Lassen wir den Altmeister im Refrain des hit- und ohrwurmverdächtigen Titeltracks selbst ran: „Lay it down, let it go, fall in love.“